04.09.2010

Am 24. September beginnt die Theatersaison in der Alten Molkerei / Ursela Monn plant Paula-Modersohn-St├╝ck

Weser Kurier Bremen – Worpswede
VON MICHAEL WILKE

Loriots Dramatische Werke in Worpswede

Worpswede. Der Raum ist ein bisschen gr├Â├čer als der kleine Saal des Bremer Theaterschiffs. 120 Zuschauer passen hinein und 30 Quadratmeter B├╝hne. Hier k├Ânnen die Worpsweder Loriots Dramatische Werke erleben, 18 Sketche des begnadeten Vicco von B├╝low, ├╝ber die das Fernseh- und Theaterpublikum immer wieder lacht, das Jodeldiplom etwa oder die Herren M├╝ller-L├╝denscheidt und Doktor Kl├Âbner beim verbalen Duell in der Badewanne. Am Freitag, 24. September, ist Premiere in der Alten Molkerei. Ein paar Tage gen├╝gen Knut Schakinnis und seinem Team, um die fr├╝here Galerie Bernack in einen Theatersaal zu verwandeln.

Als der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Bremer Theaterschiffs mit der Schauspielerin
Ursela Monn im kleinen Saal der Molkerei die Medien informiert, warten drau├čen im Wagen mit der offenen Heckklappe Handwerker mit Kisten voller Kabel, Schrauben und Werkzeug. Wenn die Journalisten weg sind, beginnt der Einbau der Technik.

Edith-Piaf-St├╝ck auch in Worpswede

Ursela Monn sitzt nicht ohne Grund neben Schakinnis. Sie hat das Leben von
Edith Piaf auf die Theaterschiff-B├╝hne gebracht, das Publikum h├Ârt ihre Chansons und ihre M├Ąnnergeschichten, Ursela Monn zeigt Lust und Leid, Glanz und Elend der Franz├Âsin. Ein St├╝ck, das Zuschauer fasziniert, das schnell ausverkauft ist, wenn es auf dem Spielplan steht. Die Geschichte der Edith Piaf, Spatz von Paris, wird auch in der Alten Molkerei gezeigt, das steht fest.

Es ist die zweite Produktion der ersten Theatersaison im K├╝nstlerdorf. “Wir spielen immer freitags und sonnabends”, sagt Knut Schakinnis. An anderen Tagen k├Ânnten Vereine und andere Gruppen den Raum nutzen. Dem Theatermann Schakinnis geh├Âren mehrere B├╝hnen in Kassel, L├╝beck und Bremen. Als sich der Galerist Lothar Bernack nach fast zwei Jahrzehnten vom Kunstbetrieb zur├╝ckzog, hat er die Alte Molkerei gekauft. Ein Zentrum der Kunst wird sie bleiben. Im Obergeschoss werden die K├╝nstler weiter in ihren Ateliers arbeiten und ihre Werke zeigen.

Unten im Foyer und in der Galerie Art99 sind ihre Bilder und Skulpturen zu sehen.
Zur Alten Molkerei sei er gekommen “wie die Jungfrau zum Kind”, sagt Schakinnis. “Man suchte jemanden, der das Haus weiterf├╝hrt.” F├╝r ihn war’s “eine sch├Âne Herausforderung”. Worpswede findet er “immer wieder reizvoll”. Natur und Kunst, die Museen – Schakinnis kennt keinen vergleichbaren Ort in Deutschland.
Bildende und darstellende Kunst sollen sich erg├Ąnzen, das schwebt dem Theatermann vor, “eine befruchtende Geschichte”.
Bei den Auff├╝hrungen stehe den Besuchern das ganze Haus offen, sagt er, Menschen k├Ânnten auch durch die Galerien wandern. Neben den Eigenproduktionen “Loriot” und “Piaf” sind in der Herbst-und Wintersaison mehrere Gastspiele geplant.
Dazu geh├Ârt “Der Messias” von Patrick Barlow.

Zwei Bremer Schauspieler bringen die Weihnachtsgeschichte anders als gewohnt auf die B├╝hne, und sie spielen dabei alle Rollen selbst, den brummigen Zimmermann Josef und Maria, die frustrierte Hausfrau. Das passt ins Konzept von Knut Schakinnis und Ursela Monn. Gehobene Unterhaltung soll dem Worpsweder Publikum geboten werden, Comedy mit Niveau.
M├Âglich sei auch dramatisches Theater, sagt Schakinnis, das Ganze sei ein Experiment wie das “Piaf”-St├╝ck im Theaterschiff. Ein bisschen experimentieren wollen sie, um herauszufinden, was die Menschen hier sehen und erleben wollen. Musik ist auch dabei: “Jazz on Board” mit renommierten Jazzmusikern oder “Bach und Flamenco”, ein “Gesamtkunstwerk” mit Castagnetten und lyrischen Momenten.

Ursela Monn denkt weiter. “Ich m├Âchte gerne eine Geschichte ├╝ber Paula Modersohn-Becker machen”, sagt sie. Auch eine Frau, die ihre Leidenschaft gelebt hat, kompromisslos wie Edith Piaf. “Ich begeistere mich f├╝r Menschen, die diese Leidenschaft haben”, sagt die rotblonde Schauspielerin.
“Menschlich-sinnlich” muss Theater sein, findet sie, nicht abstrakt-intellektuell.
Die Rolle der Rieke in der Verfilmung des Hans-Fallada-Romans “Ein Mann will nach oben” hat Ursela Monn einem Millionenpublikum bekannt gemacht. In ungez├Ąhlten Film- und Fernsehproduktionen hat sie mitgespielt, vom “Traumschiff ” ├╝ber die Krimiserie “Der Alte” bis zum “Kanzleramt”. Daneben spielte sie an gro├čen Hamburger und Wiener Theatern.

Sie nennt es einen Gl├╝cksfall, dass sie Knut Schakinnis, den Theatermann und Schauspieler, kennen gelernt hat. Bei der Produktion der “Piaf” auf dem Bremer Theaterschiff hat sie Regie gef├╝hrt. Nun, in der Alten Molkerei, ist sie f├╝r die Programmgestaltung zust├Ąndig. B├╝rgermeister Stefan Schwenke schw├Ąrmt von der neuen Zeit: Das Theater sei “eine wunderbare Erg├Ąnzung” f├╝r Worpswede.



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