Pressebericht | “Loriots Dramatische Werke”

Erschienen im Weser Kurier Bremen vom 27.09.2010

VON ULRIKE SCHUMACHER

Da hat Worpswede was Eigenes

Theaterhaus-Premiere mit einem furiosen Loriot-Abend

Worpswede. Die Premiere für Worpswedes neues Theaterhaus beginnt mit einem Gerangel. Die 120 Plätze in dem Theatersaal, der zuvor eine Galerie war, sind bis auf den letzten Stuhl besetzt. Der Raum präsentiert sich in Rot und Schwarz. Behaglich haben es die Zuschauer. Erwartungsfroh gehen ihre Blicke zur noch leeren Bühne, als es in Reihe acht, Mitte, unruhig wird. "Ist hier noch was frei1u Die Frage ist kaum ausgeprochen, da stolpert der Herr auch schon über einen anderen, landet halb auf dessen Schoß, hängt über der Lehne des Vordermannes, um schließlich doch noch hineinzuwackeln in die letzte verbliebene Lücke von Reihe acht, Mitte. Ah ja!
Wir sind schon mittendrin. Der Auftakt für die Theatersaison in der Alten Molkerei geschieht zwischen dem Publikum. Unmittelbar springt hier der Funke über. "Ich bin Preisträger", tönt der Unruhestifter und langt knisternd in seine Bonbontüte. Gewinner eines Preisausschreibens der Marke" Brate fettlos mit Salamo ohne" . Die Zuschauer sind bereits bestens eingestimmt. Sie werden Tränen lachen in den folgenden zwei Stunden, in denen die •sechs Schauspieler ihnen zwischen Kosakenzipfel und Klavier einen furiosen Theaterabend bescheren. Und das mit altbekannten Szenen.

Zufällig vier Minuten gegartes Ei

Der Geschäftsführer und künstlerische Leiter des Bremer Theaterschiffs hat für seinen Auftakt im Künstlerort auf der sicheren Seite angedockt. Loriot läuft immer. Ihm widmet Knut Schakinnis den Worpsweder Bühnenstart. Mit dem sprechenden Hund, dem zufällig viereinhalb Minuten gegarten Ei, mit Middel Fritham und Herrn Melzer. Bis 16. Oktober stehen freitags und sonnabends, jeweils ab 19.30 Uhr Loriots dramatische Werke auf dem Spielplan. Danach folgen mit "Jazz'n' Spirit" und "Bach und Flamenco" musikalische Abende sowie eine komödiantische Fassung des Messias.
Knut Schakinnis besitzt mehrere Bühnen in Kassel, Lübeck und Bremen. Die Alte . Molkerei hatte er gekauft, nachdem sich der Galerist Lothar Bernack nach fast 20 Jahren Kunstbetrieb zurückzog. Jetzt sitzt der Galerist zusammen mit Ehefrau Heide im Publikum und ist begeistert.

Aus seiner Galerie sei "etwas sehr Schönes geworden", sagt er. Er freue sich darüber, "dass Worpswede nun ein eigenes Theaterhaus hat". "Genau das Richtige, was Worpswede braucht", hört man in der Pause von vielen Gästen. "Für den Ort ist es eine tolle Ergänzung" , findet Music Hall-Chefin Doris Fischer. "Hier wird Boulevardtheater auf hohem Niveau geboten und das ist für Worpswede eine kulturelle Bereicherung", fügt sie hinzu. " Wenn man hier reinkommt, geht einem das Herz auf", findet Barbara Theisen. Sie hofft für ihren Verein KuKuK
"auf eine gute Zusammenarbeit", was gar nicht abwegig ist, denn die Bühne soll auch eine Begegnungsstätte sein und von Worpsweder Gruppen genutzt werden, erzählt Knut Schakinnis, als er vor der Vorstellung mit seinen Gästen plaudernd auf Loriots .rotem' Sofa sitzt. Neben dem Bürgermeister hat Ursela Monn Platz genommen. Die Schauspielerin und Regisseurin zeigt auf der Theaterschiff-Bühne das Leben der Edith Piaf. Auch in Worpswede soll es im November und Dezember zu sehen sein.

Später sitzt Ursela Monn in der ersten Reihe und erfreut sich an den pointierten
Szenen, die die Bühnenprofis Martina Rüggebrecht, Kim Seidler, Ingrid Waldau, Klaus Nicola Holderbaum, Jörg Schlichtkroll und Ralph Eckstein unter der Regie von Karsten Engelhardt einstudiert haben.
All die zwischenmenschlichen Kommunikationsstörungen und persönlichen Macken, die Vicco von Bülow alias Lahot so treffsicher aufgespießt hat. Manche Formulierung ist deutsches Sprachgut geworden.
Das Jodeldiplom etwa, Sätze wie "Dann hab ich was Eigenes!" oder einfach nur das lakonische" Ach was! " . Wir kennen sie alle und sind doch immer wieder verzückt.